Archiv der Kategorie: Aus der Praxis

Asthma, Allergien und dann auch noch die Wechseljahre

Janet, 51, kam mit einer Reihe von Themen in die Beratung: „Ich schlafe schlecht, ich habe Brainfog, meine Gelenke schmerzen, ich habe starke und lang anhaltende Blutungen und meine Haut wird immer trockener. Aber das Schlimmste: Ich fühle mich dadurch extrem belastet im Job.“

Beim Gespräch stellte sich heraus, dass sie auch schon lange unter Asthma und Allergien litt. Beim Thema Hormone war sie sich nicht sicher, sie hatte zwei Anläufe in gynäkologischen Praxen unternommen, aber in beiden Fällen nur Durchhalteparolen bzw. ein „Ich halte nichts von Eingriffen in die Natur“ bekommen. Ich klärte sie über die Bandbreite der Therapien mit Hormonen auf, damit sie ihre eigene Haltung entwickeln und bei einem nächsten Besuch bei einer Ärztin als informierte Patientin auftreten kann.

Welche Rolle das Cortisol spielen kann

Janet war aber auch daran interessiert, ihre Symptome zu verstehen und auch alternative Behandlungsmöglichkeiten kennenzulernen. Wir besprachen einige Möglichkeiten für einzelne Symptome. Der Kern der Beratung lag aber in dem Thema Stress. Als Allergikerin und Asthmatikerin waren ihr die Zusammenhänge zwischen Stress und ihren Symptomen bekannt und sie wusste auch, welche Rolle dabei das körpereigene Cortisol spielt. Unbekannt war ihr dagegen, dass das Cortisol auch mit den Sexualhormonen im Zusammenhang steht. Die Stärke ihrer Wechseljahrssymptome können durchaus durch eine grundsätzliche Schwäche ihres Körpers im Stresshormon-Regelkreis erklärt werden. Entspannung ist daher um so wichtiger für sie.

Kleine Entspannungsinseln

Natürlich hatte Janet bereits Erfahrungen mit Entspannungsmethoden gemacht, um ihre allergischen Symptome zu mildern. Doch ihr ging es wie vielen Menschen – gerade dann, wenn man die Entspannungsmethoden besonders nötig hat, setzt man sie nicht mehr ein. Deshalb gab ich ihr eine kurze Einführung in die Methode der „Tiny Habits“ – dem Koppeln von bereits bestehenden kleinen Gewohnheiten mit neuen gewünschten Gewohnheiten. Wir erarbeiteten ein paar Ideen, wie sie kurze, aber effektive Entspannungstechniken in ihren Alltag, insbesondere ihren Arbeitsalltag, einbauen kann. „Ich mach ja schon Yoga, aber das eben nur ein- oder zweimal in der Woche. Jetzt werde ich beim Teekochen immer an kurze Entspannungstechniken denken!“.

Wenn die Kleider schrumpfen

Caro, 54, beklagte sich zu Beginn unserer Beratung: „Ich nehme immer weiter zu, mein Gewicht klettert immer weiter nach oben, obwohl ich meine Ernährung nicht verändert habe! Sind das die Wechseljahre und die Hormone?“

Gewichtszunahme als unausweichliches Schicksal?

Viele Frauen in den Wechseljahren nehmen an Gewicht zu. Ein Zusammenhang mit den hormonellen Veränderungen liegt daher auf der Hand. Doch so eindeutig ist das nicht – dazu reicht ein Blick auf die Straße, wo wir auch sehr dünne Frauen im typischen Alter sehen.

Bei der Gewichtsentwicklung spielt eine einfache Gleichung die stärkste Rolle: Nimmt man mehr Energie zu sich, als man verbraucht, nimmt man zu. Und umgekehrt. Es gibt weitere Einflussfaktoren, z.B. Schilddrüsenerkrankungen. Aber die meisten Frauen profitieren davon, dass sie eine ehrliche Bestandsaufnahme machen. Gerade bei dem Energieverbrauch gibt es in den Wechseljahren noch eine ganze Reihe von Begleitfaktoren: wir schlafen schlechter, sind müde und daher auch anfälliger für süße und fettreiche Snacks. Wir leiden unter Stimmungsschwankungen und trösten uns mit dem Muffin zum Cappucchino und der Schokolade vorm Fernseher. Und beim Sport waren wir auch lange nicht mehr, weil wir so schlapp waren, das Herz so komisch rast und die Gelenke schmerzen. Die Muskeln bauen ab und damit sinkt der Grundumsatz. Caros Aussage, dass sie zunimmt, obwohl sie ihre Ernährung nicht verändert hat, ist daher ein typischer Denkfehler. Sie nimmt zu, weil sie ihre Ernährung nicht verändert hat.

Caros Weg

Mit Caro habe ich zunächst diese Grundlagen besprochen und ihr gezeigt, an welchen Schrauben sie drehen kann. Daneben haben wir auch darüber gesprochen, wie sie ihr Gewicht einordnet. Geht es um ein Ideal des Schlankseins oder um medizinische Risiken durch Übergewicht. In der Beratung ging es bei Caro dann um eine Mischung der Ansätze: Sie hat daran gearbeitet, ein neues Selbstbild zu finden und zunächst einmal analysiert, was und wieviel sie isst und wie sie sich bewegt. Mit einer Ernährungsberatung hat sie Ideen bekommen, wie ihr Speiseplan zukünftigt aussehen könnte. Gemeinsam mit einer Freundin geht sie inzwischen dreimal in der Woche eine schnelle Runde durch den Park. Nur bei Treppen streikt sie noch. Aber sie meinte, auch das wird noch.

Frau im Wechsel – Jahresrückblick

Als wir uns im März zur unserer jährlichen Jahrestagung getroffen haben, hatten wir ja noch keine Ahnung, wie sich 2023 für die BAG Frau im Wechsel entwickeln würde.
Wie schon seit 2015 haben wir uns getroffen, um uns locker auszutauschen, interessante Vorträge zu hören, uns gegenseitig zu unterstützen und die neuen Mitfrauen in unserem Kreis zu begrüßen.

Die Wechseljahre werden politisch

Kurz darauf fand dann im Deutschen Bundestag der erste parlamentarische Abend zum Thema Wechseljahre statt, den Miriam Stein mit den Frauen der Kampagne #wirsind9millionen initiiert hatet. Auch einige von uns gehören dazu.
Schnell wurde klar, dass damit etwas in Bewegung gekommen ist. Schnell wurde uns auch klar: wenn wir als Wechseljahresberaterinnen die Energie dieser Welle nutzen wollen, müssen wir etwas unternehmen. Wir müssen einen Verein gründen.

Frau im Wechsel wird ein Verein

Leichter gesagt, als getan. Vor allem, weil wir alle genügend andere Themen auf unserer to-do-Liste haben. Aber fünf Frauen haben gesagt: Ja, wir setzen uns dafür ein. Seitdem haben wir viele Stunden in unseren online-Treffen mit diesen – und anderen – Themen verbracht:

  • Satzung schreiben
  • Leitlinien verfassen
  • Kalkulation, was brauchen wir alles (Geld und Arbeitskraft)
  • Wo bekommen wir Geld und Unterstützung her?
  • Wer soll was machen? Welches Amt übernehmen?
  • Welches sollen unsere vorrangigen Ziele werden?
  • Wen wollen wir mit unserer Arbeit erreichen?
  • Wen am ehesten unterstützen?
  • Wer wird im Verein auch mit dabei sein?
  • Welche Kooperationspartner wünschen wir uns?
Ein Verein braucht Geld

Alle diese und noch viele andere Fragen gab und gibt es zu klären, es ist mehr Arbeit als gedacht, aber es wird gut und es ist vor allem wichtig! Im März, bei unserer nächsten Jahrestagung, werden wir den Verein gründen.

Damit der Verein schnell wirksam werden und die Wechseljahresberatung bekannter machen kann, werden wir einiges auf die Beine stellen müssen. All das kostet Geld, gerade am Anfang. Daher haben wir eine Crowdfunding-Spendenaktion ins Leben gerufen. Je mehr wir einsammeln, desto mehr können wir in die professionelle Arbeit investieren. Daher freuen wir uns natürlich über Unterstützung und über jede Spende, sei sie noch so klein!

Was ist sonst so passiert?

Wenn Du uns schon länger folgst, hast Du natürlich mitbekommen, dass ein Teil von uns auch zum Weltmenopause-Tag am 18.10.2023 beim parlamentarischen Abend im Bundestag dabei war. Die Kampagne #wirsind9millionen, ein Bündnis aus derzeit ca. 25 Frauen, war zum 2. Mal eingeladen, mit Politiker*innen zu diskutieren und unsere Forderungen nach mehr Information, mehr Forschung, mehr Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren vorzubringen.


Wie Dorothee Bär es so treffend formuliert hat: „Wenn wir den Männern es schon nicht auf der menschlichen Ebene beibringen können, wie wichtig Frauen jenseits der 45 sind, dann müssen wir es eben übers Geld klar machen!“ Und Recht hat sie! Alle Frauen kommen irgendwann in die Wechseljahre und somit sind 50% der Bevölkerung direkt und die anderen 50% indirekt betroffen. Es gibt also keinen Grund, diese Gruppe zu ignorieren, denn in Zeiten von Fachkräftemangel ist es unverantwortlich, dass 10 % der Frauen über Frühverrentung nachdenken.

Blick nach vorne

Aber wir wollen das Jahr auf jeden Fall mit einem positiven Blick nach vorne, in die Zukunft beschließen. Wir haben viel geschafft! Das Thema Wechseljahre ist in den Medien präsenter denn je. Wir sind mittendrin in dieser wundervollen Entwicklung, die wir im März mit der Vereinsgründung nochmal auf eine professionellere und verbindlichere Ebene stellen.

Also bleibt uns vom Newsletter-Team und im Namen der BAG Frau im Wechsel an dieser Stelle noch zu sagen: Sei gut zu Dir! Lass über die Feiertage auch mal Fünfe grade sein!
Wir müssen auch die Wohnung nicht bis in den kleinsten Winkel blitzsauber putzen. In der Regel kommt Familie und Freunde zu Besuch und nicht das Gesundheitsamt.


In diesem Sinne:

Lasst es Euch bei Keksen, Glühwein, Tee und all den wundervollen Köstlichkeiten gut gehen. (Haferkekse mit Ingwer sind laut dem Beitrag in diesem Newsletter ja auch ein Superfood!)

Bleibt neugierig und kommt entspannt und vor allem gesund ins Neue Jahr.

Wie sag ich’s meiner Chefin?

Andrea, 49, kam mit einem ungewöhnlichen Anliegen zu mir in die Praxis. „Ich bin gut informiert über die Wechseljahre, meine Ärztin hat mich umfassend beraten.“ In Andreas Fall hatten sich beide gegen eine Behandlung mit Hormonen entschieden, da es gesundheitliche Risiken gab.

„Mir geht es eigentlich ganz gut, ich gehöre wohl zu den Frauen, die nur mit leichten Beschwerden durch die Wechseljahre gehen“, sagte Andrea. Aber sie zählte doch einige Punkte auf, die ihr den Arbeitsalltag erschwerten. Sie litt unter Stimmungsschwankungen und auch die Hitzewallungen waren ihr unangenehm. „Ich versuche dann immer, schnell auf die Toilette zu gehen und dort abzuwarten, bis es mir besser geht. Ich habe aber das Gefühl, dass ich inzwischen schon schief angeschaut werde.“

Rede doch mit Deiner Chefin!

„Rede doch mit Deiner Chefin!“, das war der Tipp einer Freudin, mit der Andrea über ihre Probleme geredet hatte. Zunächst hatte sie das weit von sich gewiesen. Sie hatte Angst, dass sie als nicht mehr leistungsfähig angesehen würde. Als Älteste in ihrem Team hatte sie sowieso das Gefühl, schnell aufs Abstellgleis geschoben zu werden. „Wenn ich jetzt auch noch sage, dass ich in den Wechseljahren bin, dann kann ich mir die nächsten Karriereschritte doch gleich abschminken, da nimmt man mich doch überhaupt nicht mehr ernst!“

Tabuthema Wechseljahre

Wie Andrea geht es vielen Frauen: Sie haben Symptome, die ihnen den Arbeitsalltag erschweren. Manchmal könnten leicht Lösungen gefunden werden: so hilft eine flexible Arbeitszeitregelung dabei, eine schlaflose Nacht durch einen späteren Arbeitsanfang oder häufigere Pausen auszugleichen. Natürlich geht das nicht in jedem Job, daher ist das Gespräch zwischen den betroffenen Frauen und ihren Führungskräften wichtig, uim eine individuelle Lösung zu finden. Doch über Wechseljahres-Symptome zu sprechen, gehört noch nicht zu den normalen Themen im Mitarbeiter:innengespräch. Gerade männliche Führungskräfte oder jüngere Chefinnen haben wenig Erfahrung damit, wie sie über die Herausforderung „Wechseljahre und Job“ sprechen können und wissen auch kaum etwas darüber, was den Frauen diese Zeit erleichtern könnte.

Tipps fürs Gespräch

Von Andrea ließ ich mir zunächst die organisatorische Seite ihres Problems schildern: Mit wem arbeitet sie wie zusammen, wie ist die Unternehmenskultur, welche Unterstützungsangebote im gesundheitlichen Bereich gibt es bereits. Dann überlegten wir gemeinsam, was Andrea in dem Gespräch erreichen wollte. Ging es „nur“ ums Verständnis, wollte sie konkrete Veränderungen durchsetzen, wollte sie die Sicherheit bekommen, dass sie weiterhin als wertvolle Mitarbeiterin angesehen wird.

Mit diesen Informationen konnten wir einen Plan für Andrea erarbeiten: Sie brachte ihre Ziele in eine Reihenfolge, wir testeten, welche Sätze für Andrea passend erschienen und überlegten, wen sie außer ihrer Chefin im Unternehmen für einen offeneren Umgang mit dem Thema Wechseljahre im Job gewinnen konnte.

Was es gebracht hatte

Andrea rief mich nach dem Gespräch mit ihrer Chefin an. „Meine Chefin war zwar erst sehr überrascht, dass ich meine Beschwerden so offen ansprach. Dann aber auch sehr erleichtert.“ Sie hatte schon bemerkt, dass Andrea irgendwelche Probleme hatte. Und sogar befürchtet, dass sie keine Lust mehr auf ihren Job hat. Das offene Gespräch hat beiden Seiten viel gebracht. Für Andrea die Erleichterung, dass sie sich mit ihren Symptomen nicht mehr verstecken muss und die Sicherheit, dass ihre Chefin weiterhin viel von ihr und ihrer Arbeitsleistung hält. Für ihre Chefin die Erleichterung, dass Andrea nicht mit dem Gedanken an Kündigung spielt. Gemeinsam haben sie mit der Frauenvertreterin einen Vortrag über die Wechseljahre organisiert. Und Andreas Chefin hat es sich nicht nehmen lassen, auch ihre männlichen Kollegen persönlich einzuladen. Zwar ohne Erfolg – aber der erste Schritt zu einem offenen Umgang mit den Wechseljahren ist damit in diesem Unternehmen gemacht.

Karina und der Kneipp’sche Knieguss

Die Lehrerin war stark heimgesucht von Hitzewallungen, fühlte sich mehr als unwohl in Ihrer Haut, wenn ihr vor ihren pubertierenden Schülerinnen und Schülern der Schweiß ausbrach. Sie hatte schon einiges an Hilfsmitteln ausprobiert, was für sie jedoch nicht wirklich hilfreich war.

Wir sprachen unter anderem über Ihre Leidenschaften und Dinge, die ihr guttun.

Dabei stellte sich heraus, dass Wasser ihr Medium ist, in dem sie sich sehr wohlfühlt und wunderbar entspannen kann.

Ich stellte ihr daraufhin die Methode des Kneipp’schen Kniegusses vor. Sehr angetan, diese Möglichkeit morgens vor der Schule aber auch abends zum besseren Schlafen anwenden zu können, wollte Sie mir nach 14 Tagen ein Feedback geben, wie es ihr damit ergangen ist.

„Liebe Frau Cornely-Peeters, herzlichen Dank für alles! Bzgl. des Kniegusses war ich schon nach kurzer Anwendungszeit sehr begeistert über die erstaunlich positive und langanhaltende Wirkung. Hitze steigt zwar immer noch auf, aber das starke Schwitzen hat deutlich nachgelassen. So bin ich viel entspannter und gelassener im Unterricht. Meistens wende ich ihn morgens vor der Schule an, manchmal abends.“

„Kneippscher Knieguss“ und wie er anzuwenden ist.

Bei schweren, „heißen Beinen“, Hitzewallungen und Kopfschmerzen ist der Kneipp’sche Knieguss eine wunderbare Empfehlung. Er wirkt entspannend, langanhaltend kühlend und damit (nächtlichen) Hitzewallungen entgegen.

Der kühle Guss funktioniert am besten mit einem durchgängigen Wasserstrahl aus einem Schlauch-ohne Brausekopf- in Dusche oder Wanne.

Man beginnt an den Zehen des rechten Fußes, führt den Wasserstrahl über den Fußrücken zur Ferse, von dort an der Außenseite der Wade hoch bis eine Handbreit über die Kniekehle. Dort verweilt man etwa 5 Sekunden und achtet darauf, dass das Wasser wie ein Mantel die ganze Wade bedeckt. Dann führt man den Wasserstrahl an der Innenseite der Wade wieder zurück zur Ferse. Von dort aus wandert der Wasserstrahl zur Ferse des linken Fußes, wandert an der Innenseite der Wade hoch bis knapp über Kniekehle, verweilt kurz und wandert an der Außenseite der Wade hinunter zu den Zehen.

Zum Schluss „gießt“ man hintereinander beide Fußsohlen mit dem Wasserstrahl kurz ab. Nun darauf achten, dass der Körper schnell wieder erwärmt wird, zum Beispiel, wärmende Socken überziehen.

So kann der Tag erfrischt und entspannt beginnen. Wer mit dem Knieguss das Einschlafen unterstützen möchte, streift das Wasser am besten nur ab und legt sich direkt ins Bett.

Nicht empfohlen bei kalten Füßen, akuten Nieren- und Blasenproblemen.

Früher war mehr Geschmeidigkeit

Ewa, 52, lauschte aufmerksam, als ich neulich auf einer Feier von meiner Tätigkeit als Wechseljahresberaterin erzählte. Sie zog mich in eine stille Ecke. „Ich habe so Probleme mit meiner Scheidentrockenheit. Jedes Quartal muss ich meine Frauenärztin um ein Rezept für eine Creme anbetteln. Bleibt das jetzt so? Oder kann man da was machen?“

Beratung zwischen Nudelsalat und Prosecco

Fragen wie diese bekomme ich häufiger gestellt. „Du bist doch Wechseljahresberaterin, kannst Du mir mal einen Tipp geben …?“ Gerne gebe ich dann ein paar grundsätzliche Tipps. Aber genau wie Friseur:innen nicht zur Schere greifen, wenn sie auf einer Feier nach Empfehlungen für dünnes Haar gefragt werden, Tischler:innen nicht die Säge auspacken oder Steuerberater:innen den Taschenrechner, gilt auch für die Wechseljahresberatung: Je individueller wir auf die jeweilige Frau, ihre Symptome und ihre Lebensumstände eingehen können, desto eher werden wir gute Lösungen finden können. Lösungen, die wirken. Und manchmal auch viel Geld sparen, das sonst für angebliche Wundermittel ausgegeben wird.

Ewa hat das verstanden und sich eine Beratung bei mir gegönnt. Denn ihre Beschwerden stören sie sehr. Genauso wie die Behandlung. Sie fühlt sich bei ihrer Ärztin mit einem Standardrezept abgefertigt und suchte nach alternativen Möglichkeiten.

Intimpflege ist wie Zähne putzen

Leider musste ich Ewa gleich eine Illusion nehmen: wenn in den Wechseljahren das Östrogen absinkt, neigt die Vaginalschleimhaut zur Trockenheit. Und das bleibt dann auch so. Genau, wie wir nie mit dem Zähneputzen aufhören, können wir auch nicht mehr auf die Pflege der Vaginalschleimhaut verzichten. Die Hormoncreme, die sie nutzt, ist eine wirksame lokale Behandlungsmethode der Symptome, nicht jedoch der Ursachen. Ewa war geknickt, sie hatte gehofft, mit anderen Behandlungsmethoden eine „Heilung“ erreichen zu können. Nicht mehr jedes Quartal zur Ärztin rennen zu müssen, sondern wieder unbeschwert eine gute befeuchtete Vaginalschleimhaut genießen zu können.

Feuchte Aussichten

Viele Frauen möchten auf Hormone verzichten oder auch zusätzlich ein gutes Pflege- und Verwöhnprogramm in den Alltag einbauen. Ewa und ich gingen die Möglichkeiten durch, die zu ihr passen. Denn das ist immer der wichtigste Ansatz in der Wechseljahresberatung: wenn eine Methode nicht zu der Frau und ihren Lebensumständen passt, dann nützt er nichts. Das kennen wir alle von der Empfehlung, mehr Sport zu treiben: wenn ich es hasse, in stickigen Räumen mit anderen Menschen zusammen Gewichte zu stemmen, muss ich mir für mein Krafttraining eben eine andere Alternative suchen. Sonst bleibt es bei zwei oder drei Trainingsstunden und wir brechen den Versuch ab. Ewa wollte sich gerne etwas Gutes tun, die Hormoncreme erschien ihr zu „technisch“. Daher fand sie vor allem das Yoni-Steaming, über das wir hier auch schon berichtet hatten, interessant.

Sie versprach, bei der nächsten Feier zwischen Nudelsalat und Prosecco von den Erfolgen zu berichten.

Blutige Zeiten

„Da müssen Sie warten, zwei Jahre kann das schon dauern. Ansonsten gibt es noch Hormone oder die Operation. Das wollen Sie nicht.“

Nachdem sie das von ihrem Arzt gehört hatte, kam Rike, 45, in meine Beratung. Sie war zwei Monate vorher von heftigen Blutungen überrascht worden. Vernünftigerweise war sie zum Abklären zum Arzt gegangen. Doch Hilfe bekam sie hier nicht. Nur die lapidare Aussage: „Das sind eben die Wechseljahre.“

Damit wollte sich Rike nicht zufrieden geben. Sie hatte bereits von Wechseljahresberatungen gehört und erhoffte sich jetzt einerseits konkrete Hilfestellungen, brauchte aber auch grundsätzliche Informationen über die Wechseljahre und „was alles auf mich zukommen kann“. So wie Rike zu mir kam, ergeht es vielen Frauen. Sie stellen ungewöhnliche Symptome fest, z.B. verstärkte Blutungen, Stimmungsschwankunge oder Schlafstörungen. Viele haben die leise Ahnung, dass das vielleicht mit den Wechseljahren zu tun haben könnte. Der Besuch in der gynäkologischen Praxis führt häufig zu mehr Fragen, als Antworten. Rikes Frauenarzt gehört in die leider immer noch weit verbreitete Kategorie „Wechseljahre interessieren mich nicht“.

In der Beratung klärte ich Rike über die verschiedenen Phasen der Wechseljahre und die damit verbundenen Symptome auf. Wir besprachen, warum heftige Blutungen ganz typisch für den Anfang der Wechseljahre, der Prämenopause, sind. Und natürlich ging es um die Behandlungsoptionen. Rike war verunsichert über das, was ihr Arzt zum Thema Hormone und Operation gesagt hatte. Daher war es ihr wichtig, das gesamte Spektrum zu besprechen: in welchen Fällen tatsächlich eine Operation das letzte Mittel ist, wie bioidentische Hormone die Symptome lindern oder beseitigen können, welche nicht-hormonellen Behandlungsmethoden die Natur zur Verfügung stellt, z.B. Hirtentäschelkraut oder Mönchspfeffer, und was man bei starken Blutungen berücksichtigen muss, um keine zusätzlichen gesundheitlichen Probleme zu bekommen.

Rike hat für sich einen abgestuften Plan entwickelt, der auch die Option der Hormonbehandlung enthält. Was sie aber vor allem mitgenommen hat: Wissen hilft. Auch um als mündige Patientin die richtigen Fragen stellen zu können.

Sex, Wechseljahre und Blasenentzündung – Trio fatale?

Für diesen Beitrag stand uns Nikola Maria Hochkeppel, Wechseljahresberaterin und Sexualtherapeutin, beratend zur Seite.

Katja, 51, ist verzweifelt: „Ein Jahr lang lief bei uns überhaupt nichts. Ich konnte mich selbst nicht leiden, war abwechselnd wütend, traurig, antriebslos und hatte extreme Hitzewallungen. Sex war wirklich das letzte auf meiner Prioritäenliste.“ Nun hatte sich die Lage etwas entspannt. Anlass für ein entspanntes Wochenende in einem Spa-Hotel. „Tolles Hotel, tolles Essen, toller Sex. Und mein Andenken: eine fette Blasenentzündung. Jetzt sind sowohl ich als auch mein Mann traumatisiert. Gemeinsam geht nur noch Bingewatching, aber mit Sicherheitsabstand. Ich habe Angst, dass das jetzt für den Rest meines Lebens meine Abendgestaltung bleibt.“

Katja ist kein Einzelfall. Viele Frauen kennen die „Honeymoon-Zystitis“, eine Blasenentzündung, die gerne auftritt, wenn man sich im Urlaub die Nächte nicht im Club um die Ohren schlägt. Das klingt noch halbwegs lustig und ist auch gut in den Griff zu bekommen. Aber nach langer Sexpause in den Wechseljahren durch eine Blasentzündung zu einem nonnenhaften Leben verdammt zu sein, ist für die wenigsten Frauen ein schöner Gedanke.

Unromantisch, aber wichtig

Den wichtigsten Tipp, möglichst schnell nach dem Sex die Blase zu entleeren, um Bakterien auszuscheiden, befolgte Katja bereits. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie tatsächlich schon als junge Frau mit Blasenentzündungen zu tun gehabt hatte und daher auch das ganze Programm der Behandlungs- und Vorsorgemöglichkeiten wie Antibiotika, Sitzbäder, Nieren- und Blasentees, Senföle oder Mannose kannte. Sie hatte aber das Gefühl, dass es hier um mehr ging.

Bei Blasenentzündungen im Zusammenhang mit Sex geht es um zwei Fragen: Ist der Sex liebe- und lustvoll und wird von beiden genossen, so dass wir uns vorrangig um die Behandlung der körperlichen Symptome kümmern müssen? Oder stehen die körperlichen Beschwerden vielleicht in einer Verbindung zu Problemen des Paares? Diesen Unterschied im Gespräch mit der Klientin herauszuarbeiten, ist wichtig, um die passende Behandlung zu finden. Und behandeln muss man in so einer Situation schnell, denn wir wollen auf gar keinen Fall, dass Sex mit etwas Unangenehmen verknüpft wird und Vermeidungsstrategien entwickelt werden.

Durch den abfallenden Östrogenspiegel in den Wechseljahren und die damit verbundenen Veränderung der Schleimhäute treten Blasenentzündungen bei einigen Frauen häufiger auf. Katja wurde in der Beratung klar, dass sie noch intensiver als früher auf eine gute Vorsorge achten muss. Aber ihr wurde auch klar, dass es viel Unausgesprochenes zwischen ihr und ihrem Mann gibt. „Richtig spannend fand ich unseren Sex auch vor den Wechseljahren nicht mehr. Und je mehr sich mein Körper veränderte, desto mehr hatte ich Angst, dass ich nicht mehr attraktiv für ihn bin. Daher habe ich mehr Leidenschaft vorgespielt, als ich tatsächlich empfunden habe.“ Sie vermutet, dass auch ihr Mann Schwierigkeiten mit dem Alterungsprozess hat. Miteinander geredet haben sie aber nicht. Dafür halt Netflix geschaut.

Kommunikation als Aphrodisiakum

Katja entschloss sich dazu, ihrem Mann ein Gespräch mit einer Sexualtherapeutin vorzuschlagen. In einem solchen Gespräch kann es z.B. darum gehen, was die konkreten Ängste des Paars sind, welche Ursachen ihre Probleme haben können und wie man sie lösen kann. Eine gemeinsame Klärung ist sehr wichtig, so schafft man wieder Vertrauen und Nähe. Themen wie Krankheit, Alterungsprozesse und Befindlichkeitsstörungen können genaus besprochen werden, wie die Frage, wie der Sex aussieht, den sich beide wünschen. Vielleicht entdecken sie neben oder anstelle der Penetration Praktiken, die viel schöner sind, einfacher umzusetzen, lustvoller und weniger mechanisch vom Reiz her sind.

Initiative BlickWechsel

Wenn man das, was man sieht, nicht leiden kann, kann man eine von zwei Möglichkeiten wählen. Man kann die Augen schließen und ignorieren, was man sieht. Bensins Healthcare, die „Hormonspezialisten seit Generationen“ rufen dagegen zum Blickwechsel auf und starteten eine neue Initiative für berufstätige Frauen in den Wechseljahren. Sie wollen einen „offenen, wertschätzenden Dialog starten und Tabus brechen“. Im Juni fand eine Pressekonferenz als Startschuss der Initiative BlickWechsel statt.

Auf dem Podium versammelte sich eine illustre Runde von Expertinnen: Anke Sinnigen, Gründerin von Wexxeljahre.de, Bettina Billerbeck, Geschäftsführerin Beautiful Minds Media/Looping Group, Katja Burkard, Moderatorin und Autorin, Dr. med. Anneliese Schwenkhagen, Hormonspezialistin und Vorstandsmitglied der DMG (Deutsche Menopause Gesellschaft) und die gereizte Frau Miriam Stein, Autorin.

1.000 Frauen können nicht lügen

Jedenfalls nicht, wenn Forsa sie befragt. In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Initiative BlickWechsel wurden 1.000 Frauen zwischen 45 und 60 zum Thema „Wechseljahre im Beruf“ befragt. 85% von ihnen gaben an, dass sie belastende Symptome haben. Mit Hilfe von Miriams T-Shirt mit der Aufschrift „Wir sind 9 Millionen“ kann man das hochrechnen: 85% von 9 Millionen heißt: 7.650.000 Frauen haben im Job mit Symptomen der Wechseljahre zu tun. Kein Wunder, dass Miriam Stein sagte: „Es ist schlicht betriebs- und volkswirtschaftlich dumm, das Problem nicht zu erkennen.“

Die unbekannte Ursache

Schlafstörungen, Gelenkschmerzen, gereizte Stimmung – diese und andere Symptome können viele Ursachen haben. Katja Burkard dachte an psychologische Probleme, als sie immer aggressiver wurde. Sogar einen Gehirntumor schloss sie nicht aus. Dass das kein Einzelfall ist, kennt Dr. med. Anneliese Schwenkhagen aus ihrer Praxis: „ Viele Frauen wissen gar nicht, dass ihre Probleme etwas mit den Wechseljahren zu tun haben.“ Noch immer gilt Gleichung: Wechseljahre = alt und nicht mehr sexy. Frauen schieben es häufig weit von sich: „Ich und Wechseljahre? Ich bin doch erst 50!“

Wenn man den Arzt lieber nicht fragen soll

Doch selbst, wenn eine Frau einen Zusammenhang zwischen ihren Symptomen und den Wechseljahren ahnt, ist sie damit nicht unbedingt schlauer. Woher bekommt sie Informationen? An wen soll sie sich wenden? Im Medizingrundstudium kommen die Wechseljahre bis heute nicht vor. Beim Hausarzt oder der Orthopädin finden Frauen daher selten kompetente Beratung. Aber selbst in der gynäkologischen Praxis muss das nicht besser sein. Dr. med. Anneliese Schwenkhagen gab einen schockierenden Einblick in die Ausbildung der Fachärzt:innen.:„In der klinischen Ausbildung lernt man Geburt und Operationen.“ Erst in der eigenen Praxis stolpern die Frauenärzt:innen über Beratungsthemen wie Verhütung oder eben Wechseljahre. Wie gut sie sich da einarbeiten, hängt von ihrer eigenen Motivation ab. Und bei manchen fehlt(e) die. Das führt dann zu „Beratungen“, die verunsichern, z.B. „Sie wollen Hormone nehmen? Ja, wollen Sie denn Brustkrebs bekommen?“

Wirtschaftsflaute durch die Wechseljahre?

Ein weiteres Resultat der Forsa-Studie: 33% der befragten Frauen wollen ihre Arbeitszeit oder -bedingungen ändern – bis hin zum Ausstieg. Eine Zahl, die in jeder Personalabteilung und bei allen Führungskräften angesichts des Fachkräftemangels zu Schnappatmung führen müsste. Bettina Billerbeck sagte deutlich: Führungskräfte haben Nachholbedarf – sie wissen zu wenig über die Wechseljahre und wie sie mit ihren Mitarbeiterinnen darüber sprechen können. Sie warnte aber auch: „Ich würde keiner Führungskraft empfehlen, Mitarbeiterinnen direkt zu fragen: Bist Du in den Wechseljahren?“

Dabei sollten wir mehr sprechen. In den Medien, in den Arztpraxen und in den Unternehmen. Mit Betroffenen und mit Menschen, denen die Wechseljahre (noch) ganz fern sind. Anke Sinningen erzählte, dass sie in der Regel in Unternehmen auf Initiative betroffener Frauen eingeladen wird. Erst in weiteren Runden trauen sich auch Männer und Personalverantwortliche hinzu. Das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen. Noch sind es häufig Gesundheitswochen oder Frauenbeauftragte, die uns anfragen und die sich das Budget selbst für einen kurzen Vortrag noch erkämpfen müssen.

Henne oder Ei

Es war klar: Wir haben viele Baustellen und noch viel zu tun. Aber in welcher Reihenfolge? Reden wir freier über die Wechseljahre und ihre Begleiterscheinungen, wenn wir als Gesellschaft gelernt haben, offen mit dem Thema umzugehen. Oder müssen wir, um zu lernen, offen mit den Wechseljahren umzugehen, frei darüber reden? Es scheint also eine klassische Henne-oder-Ei-Frage zu sein. Miriam Stein brachte es auf den Punkt: „Wir müssen die Hennen sein und gackern. Wenn wir auf das Ei warten, wird das nie etwas.“

(Das Original dieses Textes erschien zunächst auf https://palais-fluxx.de/?s=britta+scholten und wurde für Frau im Wechsel leicht verändert)

Alle wollen was von mir – nur ich selbst komme nicht dazu

Vera, 52, kommt erschöpft in die Beratung. „Meine Freundin will mit mir eine Shoppingtour nach Paris machen. Meine Chefin nervt jeden Tag, dass der Abschlussbericht auch wirklich pünktlich fertig werden muss. Mein Mann will im nächsten Jahr Marathon laufen und braucht mich als Trainingspartnerin. Meine Mutter erwartet, dass ich nicht nur jeden zweiten Tag anrufe, sondern auch mindestens zweimal in der Woche bei ihr auftauche, meine Ärztin will, dass ich mich mehr entspanne, mein … „. Ich unterbreche sie: „Und was wollen Sie?“. Vera holt tief Luft. „Ich will -„, fängt sie an. Dann schaut sie mich erschrocken an. „Ich weiß es nicht!“

Das, was Vera erlebt, ist typisch für Frauen in der Lebensmitte. Sie stehen mitten im Leben, haben häufig auf der einen Seite Kinder, um die sie sich kümmern wollen, auf der anderen Seite Eltern, die mehr Aufmerksamkeit, Unterstützung und manchmal auch Pflege brauchen. Sie haben einen Job, in dem sie den Anforderungen gerecht werden wollen, einen Partner oder eine Partnerin, einen Freundeskreis, ein Ehrenamt, die Nachbarschaft und dann ist da auch noch der Haushalt. Und zu all den äußeren – oder auch inneren – Ansprüchen kommen dann auch noch die Wechseljahre. Lassen die Frauen nicht mehr gut schlafen, belasten sie mit Gelenkschmerzen oder Hitzewallungen und sorgen durch das Auf und Ab der Hormone für eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Kein Wunder, dass dann die Frage: „Was wollen Sie?“ nicht beantwortet werden kann.

Vera und ich begannen, uns auf die Reise zu ihren Wünschen zu machen. Wie so viele Frauen listete auch sie erst einmal Wünsche auf, die nicht wirklich ihre eigenen waren. „Ich würde gerne mal wieder ein paar Freunde zum Essen einladen“ – dieser Wunsch klang z.B. zunächst harmlos. Aber beim genaueren Nachfragen stellte sich dann heraus: sie wird zwei Tage komplett beschäftigt sein, um ihren Freunden zu beweisen, dass sie immer noch die beste Köchin und Gastgeberin ist. Ist das wirklich ihr eigener Wunsch? Oder ein alter Glaubenssatz aus der Kindheit? Ein übertragener Wunsch ihres Mannes? Ihr eigener Wettkampfgeist, der mit jemanden aus dem Freundeskreis konkurriert?

Häufig zählen die Frauen auch Wünsche auf, die sehr sinnvoll erscheinen: „Ich würde gerne wieder regelmäßig zum Sport gehen“ oder „Ich würde gerne mal ein Wochenende alleine wegfahren“. Die Buchstaben des letzten Wortes schweben noch in der Luft, da wird schon das große ABER herausgeholt: „Aber ich muss mich ja um … kümmern, erst muss noch … erledigt werden, das geht nicht, weil …“. Ein typisches Verhalten von Frauen, die ihre eigenen Wünsche nach hinten stellen, die ihr Umfeld nicht damit behelligen wollen, dass sie auf einmal „anstrengend“ sind, nur weil sie vielleicht zwei Stunden die Kinderbetreuung oder mal den Wochenendeinkauf abgeben wollen.

Die Wechseljahre sind eine Zeit, in der viele Frauen mit diesem Thema konfrontiert werden. In der sie erkennen, dass sie jetzt mehr Zeit und Kraft für sich selbst brauchen. Und dass diese Zeit und Kraft nur dann vorhanden ist, wenn sie nicht schon durch die Ansprüche anderer Menschen aufgebraucht wird.

Vera war eigentlich wegen ihrer Erschöpfung in die Beratung gekommen. Sie hatte gehofft, dass ein paar Pillen, Kräuter oder ätherische Öle ihr wieder die Energie für ihren Alltag geben könnten. Ein paar Tipps in dieser Richtung bekam sie von mir. Aber das, was ihr wirklich die Energie zurückbrachte, war eine ehrliche Aufarbeitung: Welche Ansprüche werden an mich gestellt? Von wem? Will ich sie erfüllen? Und was will ich selbst?