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Die Weisheit aus dem Osten: Traditionelle chinesische Medizin

Sabine Schaal, Ärztin für Allgemeinmedizin und ärztliche Psychotherapeutin, ist Expertin für chinesische Medizin. An der TU München hat sie den Master of Science in traditioneller chinesicher Medizin abgelegt und ihre Kenntnisse durch einen dreijährigen Aufenthalt in China vertieft.
Sabine, kannst Du uns die traditionelle chinesische Medizin, die TCM, kurz und knapp erläutern?

Die TCM ist eines der ältesten Medizin-Systeme in China mit einem großen Erfahrungsschatz. Anders als in der westlichen Medizin werden Körper und Geist als nicht getrennt voneinander betrachtet. Der Mensch steht in seiner Ganzheit im Mittelpunkt.

Die Verbindung von westlicher und chinesischer Medizin bietet daher eine sehr gute Möglichkeit, dem Menschen individuell zu helfen. Das gilt insbesondere bei Symptomen, die in der westlichen Medizin keine messbare Diagnose und damit auch keine adäquate Therapie finden. Beide Systeme haben aber natürlich ihre eigenen Vorteile. Westliche Diagnostik, also messbare Daten, werden durch die TCM mit dem Fokus auf die Ganzheitlichkeit des Menschen ideal ergänzt.

Wie erklärt sich die TCM Wechseljahresbeschwerden?

Viele Frauen gehen mit einer großen Unsicherheit in diese Lebensphase. Sie fragen sich angesichts der vorherrschenden Schönheitsdeale in der Gesellschaft, ob sie noch attraktiv sind und kämpfen mit mangelder Wertschätzung im Beruf, aber auch im Privatleben. Dabei ist natürlich das Gegenteil der Fall: Reife, Lebenserfahrung und innere Weisheit entstehen ja eben erst nach einer gewissen Wegstrecke gelebten Lebens. Typische klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit oder wechselnde Stimmungen bringen Frauen in den Wechseljahren dann jedoch in komplexe schwierige Lebenssituationen. Denn nach wie vor wird ja auf vielen verschiedenen Ebenen viel von ihnen verlangt.

In der TCM-Philosophie ist der Mensch gesund, wenn der Energiefluss im Körper und Geist ausgeglichen ist. Unser Chi – etwas unzureichend übersetzt als Lebensenergie – fließt nur dann harmonisch, wenn die Balance zwischen polaren Energien, Yin und Yang-Energien, gegeben ist. Hierbei steht Yin für Ruhe, Nacht, Kälte und Yang steht für Tag, Aktivität und Wärme. Gerät die Balance dieser beiden Pole ins Ungleichgewicht, ist der Energiefluss gestört und es entstehen Dysharmonien, die sich in vielerlei psychischen, aber auch physischen Beschwerden äußern können.

Das passiert z.B. in den Wechseljahren. Vorübergehend gerät dieses System der Energien in Unordnung, die Yin-Energie nimmt ab, Yang ist im Überschuss. Wenn die ausgleichenden Yin-Energien fehlen, kann z.B. eine Yin-Mangel-Hitze entstehen, was Frauen dann als Hitzewallungen wahrnehmen. Oder als Schlaflosigkeit oder Stimmungsschwankungen.

Was empfiehlt die TCM bei Wechseljahresbeschwerden – generell und zu bestimmten Symptomen?

In den Wechseljahren braucht der Körper insgesamt weniger Nahrung, das Verdauungssystem kann empfindlicher werden. Aber auch die Energien unseres Chis nehmen ab.

Hier greift die TCM. Ernährungsweise, Akupunktur und Arzneimitteltherapie sind bedeutende Säulen in der TCM. Die Behandlung fußt dabei auf dem Ziel, den Energiefluss wieder in Balance zu bringen. Dazu gehört eine umfassende Betrachtung der Lebensgewohnheiten und der Lebensweisen, z.B. Schlaf, Ruhephasen, aber auch gezielte Auszeiten oder Aktivitäten – all das dient der Erhaltung der Energiebalance.

Es ist wichtig zu betonen: Behandelt wird immer der ganze Mensch, die ganze Frau. Nicht ein einzelnes Symptom. Daher gibt es in der TCM auch keine allgemein gültigen Empfehlungen, was z.B. bei Hitzewallungen oder Gelenkbeschwerden hilft.

Wenn ich mich für TCM-Prinzipien interessiere, kann ich mir auch selbst etwas Gutes tun oder brauche ich dazu immer eine Therapeutin? Und wo finde ich gute Therapeut:innen?

Natürlich kann sich jede Frau mit den grundlegenden Ernährungs- und Bewegungsprinzipien beschäftigen und davon profitieren. Dazu gibt es heutzutage auch gute Quellen zum Thema TCM und Wechseljahre, über die man sich informieren kann. Nicht zuletzt, weil das Thema Wechseljahre ja insgesamt viel sichtbarer geworden ist – dank vieler Initiativen, so auch von Frau im Wechsel.

Sollte eine Frau jedoch den Wunsch haben, sich mit TCM behandeln zu lassen, dann würde ich immer einen Experten oder eine Expertin aufsuchen. TCM ist eine komplexe Behandlungsweise, die schon jemanden verlangt, der eine fundierte Ausbildung hinter sich gebracht hat. Zu Beginn der Behandlung wird – wie auch in der Schulmedizin – zunächst eine Anamese gemacht, eine Diagnostik erhoben. Das sind in der TCM z.B. die Zungenbetrachtung, die Puls- oder Anlitzdiagnostik, das Gespräch. Ein Anamese-Termin dauert gut eine bis eineinhalb Stunden. Darauf aufbauend werden dann die individuellen Therapien zusammengestellt. Das verlangt schon ein solides Wissen.

Man kann sich bei der Suche nach einer guten Behandlungsmöglichkeit an den Verbänden für TCM orientieren. Ich würde mir auch immer jemanden aussuchen, der einen ärztlichen oder gut ausgebildeten Heilpraktiker-Hintergrund hat. Denn trotz der Tatsache, dass es sich um eine sanfte Medizin handelt, ist es eine Medizin und die gehört in erfahrene Hände.

Wie schnell hilft die TCM bei Wechseljahresbeschwerden?

Das Ziel der TCM-Behandlung ist die langfristige Gesundheitserhaltung. Aber ich erlebe auch häufig, dass eine Änderung der Lebensgewohnheiten, der Ernährung oder die Einnahme chinesischer medizinischer Präparate schon kurzfristig eine deutliche Verbesserung mit sich bringt.

TCM scheint eine komplexe Behandlungsmethode zu sein. Was kann man selbst machen, um die Behandlung zu unterstützen?

Auf alle Fälle ist es sinnvoll, auf sich selbst zu achten, sich selbst wertzuschätzen. Auf sich selbst zu hören, was tut mir gut, was nicht – und dass dann auch umzusetzen. Dazu gehört z.B. auch die Beziehungen zu meinen Mitmenschen zu betrachten oder zu lernen, sich abzugrenzen, eben auch mal nein sagen. Das hört sich jetzt sehr allgemein an, ist aber doch im Alltag oft schwierig, gerade für Frauen, die es ja gewohnt sind, mit vielen Bällen zu balancieren.

Für alle Menschen, aber besonders auch für Frauen in den Wechseljahren, ist es auch wichtig, ihre Energien zu pflegen. Z.B. darauf zu achten, dass sie genügend schlafen, zur Ruhe kommen. Ruhezeiten sind wichtig, aber auch gezielte Auszeiten. Dann geht es auch um die Einstellung, das Klimakterium nicht als Krankheit zu betrachten, sondern als Anstoß zum Übergang in eine neue Phase, die geprägt ist von Reife und tiefer innerer Weisheit. Das wird auch in China deutlich, wo die Frauen und die Gesellschaft die Wechseljahre anders wahrnehmen. Eben nicht als Krankheit , sondern als Übergang in eine Zeit, die eher damit zu tun hat, sich selbst zu finden, sich selbst wertzuschätzen und das Leuchten von innen zu betonen.

Nun gibt es Frauen, die sicher gerne von innen leuchten würden, aber sehr unter den Beschwerden leiden. Ihnen empfiehlt man häufig eine Hormonersatztherapie. Wie passt das in die traditionelle chinesische Medizin?

Wenn man auf die Menge der Frauen schaut, dann zeigt sich: nicht alle sind mit Wechseljahresbeschwerden konfrontiert. Man spricht da häufig von einem Drittel, das keine Beschwerden hat, ein weiteres Drittel, bei dem sich die Beschwerden nur leicht äußern. Nur ein Drittel der Frauen leidet stark unter den Wechseljahrsbeschwerden und -symptomen. Es kann sein, dass Frauen, mit dem was noch da ist an Energie und Hormonen, durchaus zurechtkommen bzw. nur eine ganz geringe Menge an Ergänzung brauchen. In den Augen der TCM hängt das stark davon ab, wie die Frau in den Jahren davor mit ihrem Energiehaushalt umgegangen ist. Welche Stürme hat sie erlebt, wie viele Energien musste sie lassen, wo sind Energien auf der Strecke geblieben. Schulmedizinisch geht es in den Wechseljahren ja eher um die Hormonabnahme. In der TCM ist es eine andere Sicht, hier geht es um die Energien. Das heißt aber nicht, dass sich TCM und eine Hormontherapie im Weg stehen. Ich möchte betonen, dass es zwei völlig unterschiedliche Therapien sind, die aber nebeneinander angewandt werden können.

Du bist eine überzeugte TCM-Therapeutin. Was begeistert dich daran?

Mich fasziniert die TCM sehr, weil sie mir den Blick auf den Menschen eröffnet hat. Die klassischen schulmedizinischen Ausbildung hat ihre Vorzüge und absoluten Vorteile. Aber wir haben dort aus verschiedendsten Gründen nicht die Zeit und Möglichkeiten, den Menschen dort abzuholen, wo er ist. Genau das erlaubt die TCM: den ganzen Menschen zu betrachten und tief einzutauchen in die eigene Welt eines jeden Menschen. Und so erfolgreich zu helfen.

Wenn sich jemand als Laie mehr in die TCM vertiefen möchte, welche Quellen empfiehlst Du?

Alle Dachverbände sind gute Anlaufstellen für seriöse Informationen. Ich selbst bin Mitglied bei der Internationalen Gesellschaft für chinesische Medizin e.V., kurz SMS (Societas medicinae sinensis).

Asthma, Allergien und dann auch noch die Wechseljahre

Janet, 51, kam mit einer Reihe von Themen in die Beratung: „Ich schlafe schlecht, ich habe Brainfog, meine Gelenke schmerzen, ich habe starke und lang anhaltende Blutungen und meine Haut wird immer trockener. Aber das Schlimmste: Ich fühle mich dadurch extrem belastet im Job.“

Beim Gespräch stellte sich heraus, dass sie auch schon lange unter Asthma und Allergien litt. Beim Thema Hormone war sie sich nicht sicher, sie hatte zwei Anläufe in gynäkologischen Praxen unternommen, aber in beiden Fällen nur Durchhalteparolen bzw. ein „Ich halte nichts von Eingriffen in die Natur“ bekommen. Ich klärte sie über die Bandbreite der Therapien mit Hormonen auf, damit sie ihre eigene Haltung entwickeln und bei einem nächsten Besuch bei einer Ärztin als informierte Patientin auftreten kann.

Welche Rolle das Cortisol spielen kann

Janet war aber auch daran interessiert, ihre Symptome zu verstehen und auch alternative Behandlungsmöglichkeiten kennenzulernen. Wir besprachen einige Möglichkeiten für einzelne Symptome. Der Kern der Beratung lag aber in dem Thema Stress. Als Allergikerin und Asthmatikerin waren ihr die Zusammenhänge zwischen Stress und ihren Symptomen bekannt und sie wusste auch, welche Rolle dabei das körpereigene Cortisol spielt. Unbekannt war ihr dagegen, dass das Cortisol auch mit den Sexualhormonen im Zusammenhang steht. Die Stärke ihrer Wechseljahrssymptome können durchaus durch eine grundsätzliche Schwäche ihres Körpers im Stresshormon-Regelkreis erklärt werden. Entspannung ist daher um so wichtiger für sie.

Kleine Entspannungsinseln

Natürlich hatte Janet bereits Erfahrungen mit Entspannungsmethoden gemacht, um ihre allergischen Symptome zu mildern. Doch ihr ging es wie vielen Menschen – gerade dann, wenn man die Entspannungsmethoden besonders nötig hat, setzt man sie nicht mehr ein. Deshalb gab ich ihr eine kurze Einführung in die Methode der „Tiny Habits“ – dem Koppeln von bereits bestehenden kleinen Gewohnheiten mit neuen gewünschten Gewohnheiten. Wir erarbeiteten ein paar Ideen, wie sie kurze, aber effektive Entspannungstechniken in ihren Alltag, insbesondere ihren Arbeitsalltag, einbauen kann. „Ich mach ja schon Yoga, aber das eben nur ein- oder zweimal in der Woche. Jetzt werde ich beim Teekochen immer an kurze Entspannungstechniken denken!“.

Im Gespräch mit Lovisa Ósk Gunnarsdóttir – When the bleeding stops

Lovisa Ósk Gunnarsdóttir ist eine isländische Tänzerin. Mit dem Stück „When the bleeding stops“ bricht Lovisa mit der Stille und dem Tabu, das die Wechseljahre in den westlichen Gesellschaften umgibt. Sie transportiert uns in die Wohnzimmer der Teilnehmerinnen und geht tief in die vielen Schichten der Erfahrungen, die Frauen mit den Wechseljahren machen.

Das Interview wurde von uns aus dem Englischen übersetzt.

Wie bist Du auf die Idee für „When the bleeding stops“ gekommen?

Ich war 16 Jahre Tänzerin bei der Iceland Dancing Company. Als ich gerade 40 wurde, hatte ich mich verletzt und konnte längere Zeit nicht tanzen. Ich habe damals realisiert, wie sehr ich emotionale Themen, aber auch physische, durch das Tanzen aufgelöst hatte. Das fehlte jetzt. Man kann sagen, dass mein ganzes System kollabierte.

Eines Tages, als es mir schon wieder etwas besser ging, war ich spazieren gegangen. Als ich nach Hause kam, war ich unruhig und hatte das Gefühl, dass ich jetzt tanzen müsste, um all die Gefühle und Gedanken auszudrücken. Also zog ich die Vorhänge zu, suchte einen Song aus und begann zu tanzen. Erst nur sehr vorsichtig, aber es fühlte sich bereits ein bisschen besser an. Ich merkte, dass diese Routine: Spazierengehen, einen Song auswählen und tanzen, eine große Rolle in meiner Genesung spielte. Sowohl pyhsisch als auch mental. Es war, als ob ich mich wieder mit meinem Körper verbinden konnte.

Als ich dann die ersten Symptome der Wechseljahre verspürte und realisierte, wie wenig Frauen – so auch ich – über diese Zeit wissen, hatte ich die Idee, dass meine Tanzroutine auch für andere Frauen hilfreich sein könnte. Und dass ich so auch die Stille und das Tabu um die Wechseljahre aufbrechen könnte.

Wie hast Du die Zeit erlebt, als Du selbst die ersten Wechseljahressymptome bemerktest?

Ich wusste nichts über die Wechseljahre, also habe ich erst mal gegoogelt. Es fühlte sich schrecklich an – je mehr ich über die Wechseljahre las, desto mehr hatte ich das Gefühl, ich habe mein Ablaufdatum erreicht. Das war es jetzt. Jetzt geht es nur noch bergab, bis ich sterbe. Ich habe mich geschämt und konnte mit niemanden darüber reden. Ich wollte auch nicht darüber reden, denn ich wollte auch keine Bestätigung bekommen, dass ich wirklich in den Wechseljahren bin. Ich habe gedacht: solange mir niemand wirklich bestätigt, dass ich in den Wechseljahren bin, brauche ich mich ja nicht damit zu konfrontieren. Gleichzeitig habe ich immer gedacht: Das Leben kann doch nach den Wechseljahren nicht vorbei sein!

Das ist es ja auch nicht. Viele Frauen stellen gerade in dieser Zeit großartige Dinge auf die Beine. So war es dann ja auch bei Dir. Wie war der Weg bis zu dem Projekt?

Ich habe die Company verlassen und ein Masterstudium begonnen. In meiner Abschlussarbeit habe ich meine Erfahrung verarbeitet und ein Stück gestaltet, das „Vorbereiten auf die Menopause – ein Selbsthilfetanz“ hieß. Ich hatte realisiert, dass viele meiner Symptome, die mit meiner Verletzung zusammenhingen, auch in den Wechseljahren auftreten können. Das machte mich neugierig darauf, welche Geschichten andere Frauen erzählen können, wenn auch sie diese Tanzroutine ausprobieren. Mit der Zeit entwickelte sich aus meiner Abschlussarbeit und den weiteren Erfahrungen dann das Stück „When the bleeding stops“, bei dem ich Frauen einlade, mitzuwirken.

Wie findest Du die Frauen?

Am Anfang hatte ich eine offene Einladung in eine Wechseljahres-Facebook-Grupppe hier in Island gepostet: Probiert meine Routine aus, geht spazieren, konzentriert Euch auf Eure Gedanken und Gefühle, sucht dann zu Hause einen gerade passenden Song aus und tanzt. Ich hatte auch gefragt, ob die Frauen Lust hätten, sich beim Tanzen zu filmen und mir die Videos zu schicken. Und dann bekam ich all diese Videos von Frauen, die in ihrem Wohnzimmer tanzten. Das war sehr berührend. Inzwischen ist es so, dass ich immer wenn wir reisen, Frauen vor Ort einlade, mitzumachen. Wir arbeiten zunächst online, dann lade ich sie ein, mit mir auf die Bühne zu gehen. Ich nutze auch die Videos, die mir geschickt werden, wenn die Frauen damit einverstanden sind.

Wie kam „Wenn the bleeding stops“ von Island nach Wiesbaden?

Wir waren mit dem Stück auf einem großen Tanztreffen in Dublin. Seitdem bekommen wir Einladungen aus allen möglichen Orten. Allein für die nächsten Monate stehen 15 verschiedene Städte auf dem Programm, eventuell kommen wir auch noch mal nach Deutschland, diesmal nach Köln.

Wie erklärst Du dir die positive Wirkung Deiner Tanzroutine?

Es ist keine Therapie, die ich anbiete, aber viele Frauen finden es sehr therapeutisch. Es scheint, als würden sich die Frauen über den Tanz öffnen können, eine besssere Verbindung zu ihrem Körper bekommen. So können sie auch mit den Symptomen der Wechseljahre wieder besser umgehen, sich selbst fühlen, ein neues Bild von sich finden. Manchen Frauen reicht es, ein- oder zweimal zu tanzen, andere haben meine Routine auch zu ihrer gemacht, weil sie merken, dass es ihnen hilft. Eine Frau hat mir z.B. erzählt, dass sie sich das erste Mal in ihrem Leben schön gefühlt hatte. So etwas berührt mich tief.

Auch ich habe es getestet, wir sind ja über Deinen Aufruf für die Produktion in Wiesbaden in Kontakt gekommen. Da ich früher viel getanzt hatte, auch Turniere, fand ich die Idee sehr spannend. Aber mich beim Tanzen zu filmen – das hat mich schon Überwindung gekostet. Wie reagieren die Frauen auf Deine Bitte, sich zu filmen und Dir die Videos zu schicken?

Das ist tatsächlich für viele Frauen ungewohnt oder sogar unangenehm. Man muss das auch nicht machen. Aber das Filmen macht etwas mit Dir. Es ist ein Unterschied, ob Du nur für Dich tanzt oder ob Du dich dabei filmst, ob Du das Video dann an mich schickst und sogar zustimmst, dass es veröffentlicht wird. Manchmal mag man es, an anderen Tagen eher nicht. Aber Du entscheidest. Allein diese Kontrolle zu haben, ist für viele Frauen sehr hilfreich, die sich sonst den Wirren der Wechseljahre ausgeliefert fühlen.

Ich finde es auch spannend, ob Frauen ihre eigenen Videos anschauen mögen oder nicht. Es kann sehr interessant sein, sich selbst über die Zeit zu begleiten und zu sehen, wie sich der Tanz ändert. Und sich selbst zu erlauben, dass sich der Tanz und auch der Körper ändert. Das ist für mich auch ein wesentlicher Bestandteil der Wechseljahre.

Du machst das Projekt jetzt seit fünf Jahren. Wird es lauter um die Wechseljahre oder steht immer noch die Stille und das Tabu im Vordergrund?

Es verändert sich etwas. Auch aus medizinischer Sicht. Ich halte zu Beginn des Stücks einen Monolog, in dem ich Informationen über die Wechseljahre gebe. Den musste ich in dieser Zeit bereits dreimal ändern: Zunächst hieß es „Auf keinen Fall Hormone“, dann „Hormone sind okay“ und aktuell eher „Du musst Hormone nehmen“. Und das wird es bestimmt nicht gewesen sein. Ich habe gerade in einem Artikel gelesen, dass man jetzt untersucht, wie die Wechseljahre einfach überspringen werden könnten. Das find ich sehr fragwürdig, für mich ist das ein Herumpfuschen mit der Natur. Und auch ein Zeichen, dass wir in unserer westlichen Gesellschaft immer noch einem jugendlichen Ideal hinterherlaufen. Andere Gesellschaften haben ja ein viel positiveres Bild vom Alter und von Frauen nach der Menopause.

Was sich auch ändert: unser Stück ist gut besucht und wir großartige Reaktionen bekommen, das wäre vor zehn, fünfzehn Jahren vielleicht nicht so gewesen. Im Publikum sitzen allerdings fast nur Frauen. Aber immerhin kommen auch einige Männer. Der positive Zuspruch zeigt mir, dass es richtig ist, das Stück auf die Bühne zu bringen. Aber auch, dass noch ein weiterer Weg vor uns liegt, bevor wir wirklich die Stille durchbrochen haben. Ich sehe das so: Frauen in den Wechseljahren können genauso verwirrt sein wie Teenager. Vielleicht sogar noch mehr. Der Unterschied ist: Bei Teenagern wissen wir, was passiert, wir verstehen sie und unterstützen sie. Das sollten wir auch für Frauen in den Wechseljahren als selbstverständlich ansehen. Wir sind starke Frauen und haben noch viel vor. Und diese Geschichte sollten wir erzählen.

Bild von © Owen Fiene

https://www.whenthebleedingstops.com/

Trailer:

Geschmeidige Gelenke

Ein Tipp von Dorothee Przesdzink von Wechseljahre als Weg

Die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren können eine Vielzahl von Symptomen verursachen. Muskelschmerzen und Gelenkbeschwerden gehören zu den weit verbreiteten Beschwerden.

Was die Gelenke knirschen lässt

Es gibt verschiedene Gründe, warum in den Wechseljahren, die Muskeln und Gelenke schmerzen können. Der abfallende Östrogenspiegel ist der wichtigste. Östrogen spielt u.a. einen Rolle bei Entzündungsprozessen. Ein Mangel an Östrogen kann daher zu einer höheren Empfindlichkeit gegenüber Entzündungen, auch stillen, führen. Östrogen beeinflusst auch das Bindegewebe. Gelenke, Bänder und Sehnen können mit abfallenden Östrogenspiegel ihre Elastizität einbüßen. Resultat kann die typische Morgensteifigkeit sein.

Mobilisierung am Morgen

Bevor du aufstehst baue dehnende und mobilisierende Bewegungen ein. Drehe die Fuß- und Handgelenke. Ziehe die Knie bis zum Bauch und rolle wie ein Päckchen von Seite zu Seite. Strecke die Arme nach hinten und ziehe die Füße nach unten, geht auch schräg oder erst rechte Seite dann linke Seite.

Setze dich auf den Bettrand, falte die Hände hinter dem Rücken und ziehe die Hände erst nach unten (öffnet die Schultergelenke) und dann die Arme langsam nach hinten-oben, bis du die Öffnung im vorderen Brustbereich spürst. Aktiviert die Lebensenergie und öffnet den Herzbereich. Löse dich nach dem Stretch langsam aus der Haltung.

Stehe auf, bring beide Arme gestreckt nach oben, werde lang, beuge dich dann (ausatmend) langsam mit geradem Rücken nach vorne unten. Lasse den Rücken lang werden. Rolle dich nach ein paar Momenten Wirbel für Wirbel langsam nach oben.

Wenn die Kleider schrumpfen

Caro, 54, beklagte sich zu Beginn unserer Beratung: „Ich nehme immer weiter zu, mein Gewicht klettert immer weiter nach oben, obwohl ich meine Ernährung nicht verändert habe! Sind das die Wechseljahre und die Hormone?“

Gewichtszunahme als unausweichliches Schicksal?

Viele Frauen in den Wechseljahren nehmen an Gewicht zu. Ein Zusammenhang mit den hormonellen Veränderungen liegt daher auf der Hand. Doch so eindeutig ist das nicht – dazu reicht ein Blick auf die Straße, wo wir auch sehr dünne Frauen im typischen Alter sehen.

Bei der Gewichtsentwicklung spielt eine einfache Gleichung die stärkste Rolle: Nimmt man mehr Energie zu sich, als man verbraucht, nimmt man zu. Und umgekehrt. Es gibt weitere Einflussfaktoren, z.B. Schilddrüsenerkrankungen. Aber die meisten Frauen profitieren davon, dass sie eine ehrliche Bestandsaufnahme machen. Gerade bei dem Energieverbrauch gibt es in den Wechseljahren noch eine ganze Reihe von Begleitfaktoren: wir schlafen schlechter, sind müde und daher auch anfälliger für süße und fettreiche Snacks. Wir leiden unter Stimmungsschwankungen und trösten uns mit dem Muffin zum Cappucchino und der Schokolade vorm Fernseher. Und beim Sport waren wir auch lange nicht mehr, weil wir so schlapp waren, das Herz so komisch rast und die Gelenke schmerzen. Die Muskeln bauen ab und damit sinkt der Grundumsatz. Caros Aussage, dass sie zunimmt, obwohl sie ihre Ernährung nicht verändert hat, ist daher ein typischer Denkfehler. Sie nimmt zu, weil sie ihre Ernährung nicht verändert hat.

Caros Weg

Mit Caro habe ich zunächst diese Grundlagen besprochen und ihr gezeigt, an welchen Schrauben sie drehen kann. Daneben haben wir auch darüber gesprochen, wie sie ihr Gewicht einordnet. Geht es um ein Ideal des Schlankseins oder um medizinische Risiken durch Übergewicht. In der Beratung ging es bei Caro dann um eine Mischung der Ansätze: Sie hat daran gearbeitet, ein neues Selbstbild zu finden und zunächst einmal analysiert, was und wieviel sie isst und wie sie sich bewegt. Mit einer Ernährungsberatung hat sie Ideen bekommen, wie ihr Speiseplan zukünftigt aussehen könnte. Gemeinsam mit einer Freundin geht sie inzwischen dreimal in der Woche eine schnelle Runde durch den Park. Nur bei Treppen streikt sie noch. Aber sie meinte, auch das wird noch.

Frau im Wechsel – Jahresrückblick

Als wir uns im März zur unserer jährlichen Jahrestagung getroffen haben, hatten wir ja noch keine Ahnung, wie sich 2023 für die BAG Frau im Wechsel entwickeln würde.
Wie schon seit 2015 haben wir uns getroffen, um uns locker auszutauschen, interessante Vorträge zu hören, uns gegenseitig zu unterstützen und die neuen Mitfrauen in unserem Kreis zu begrüßen.

Die Wechseljahre werden politisch

Kurz darauf fand dann im Deutschen Bundestag der erste parlamentarische Abend zum Thema Wechseljahre statt, den Miriam Stein mit den Frauen der Kampagne #wirsind9millionen initiiert hatet. Auch einige von uns gehören dazu.
Schnell wurde klar, dass damit etwas in Bewegung gekommen ist. Schnell wurde uns auch klar: wenn wir als Wechseljahresberaterinnen die Energie dieser Welle nutzen wollen, müssen wir etwas unternehmen. Wir müssen einen Verein gründen.

Frau im Wechsel wird ein Verein

Leichter gesagt, als getan. Vor allem, weil wir alle genügend andere Themen auf unserer to-do-Liste haben. Aber fünf Frauen haben gesagt: Ja, wir setzen uns dafür ein. Seitdem haben wir viele Stunden in unseren online-Treffen mit diesen – und anderen – Themen verbracht:

  • Satzung schreiben
  • Leitlinien verfassen
  • Kalkulation, was brauchen wir alles (Geld und Arbeitskraft)
  • Wo bekommen wir Geld und Unterstützung her?
  • Wer soll was machen? Welches Amt übernehmen?
  • Welches sollen unsere vorrangigen Ziele werden?
  • Wen wollen wir mit unserer Arbeit erreichen?
  • Wen am ehesten unterstützen?
  • Wer wird im Verein auch mit dabei sein?
  • Welche Kooperationspartner wünschen wir uns?
Ein Verein braucht Geld

Alle diese und noch viele andere Fragen gab und gibt es zu klären, es ist mehr Arbeit als gedacht, aber es wird gut und es ist vor allem wichtig! Im März, bei unserer nächsten Jahrestagung, werden wir den Verein gründen.

Damit der Verein schnell wirksam werden und die Wechseljahresberatung bekannter machen kann, werden wir einiges auf die Beine stellen müssen. All das kostet Geld, gerade am Anfang. Daher haben wir eine Crowdfunding-Spendenaktion ins Leben gerufen. Je mehr wir einsammeln, desto mehr können wir in die professionelle Arbeit investieren. Daher freuen wir uns natürlich über Unterstützung und über jede Spende, sei sie noch so klein!

Was ist sonst so passiert?

Wenn Du uns schon länger folgst, hast Du natürlich mitbekommen, dass ein Teil von uns auch zum Weltmenopause-Tag am 18.10.2023 beim parlamentarischen Abend im Bundestag dabei war. Die Kampagne #wirsind9millionen, ein Bündnis aus derzeit ca. 25 Frauen, war zum 2. Mal eingeladen, mit Politiker*innen zu diskutieren und unsere Forderungen nach mehr Information, mehr Forschung, mehr Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren vorzubringen.


Wie Dorothee Bär es so treffend formuliert hat: „Wenn wir den Männern es schon nicht auf der menschlichen Ebene beibringen können, wie wichtig Frauen jenseits der 45 sind, dann müssen wir es eben übers Geld klar machen!“ Und Recht hat sie! Alle Frauen kommen irgendwann in die Wechseljahre und somit sind 50% der Bevölkerung direkt und die anderen 50% indirekt betroffen. Es gibt also keinen Grund, diese Gruppe zu ignorieren, denn in Zeiten von Fachkräftemangel ist es unverantwortlich, dass 10 % der Frauen über Frühverrentung nachdenken.

Blick nach vorne

Aber wir wollen das Jahr auf jeden Fall mit einem positiven Blick nach vorne, in die Zukunft beschließen. Wir haben viel geschafft! Das Thema Wechseljahre ist in den Medien präsenter denn je. Wir sind mittendrin in dieser wundervollen Entwicklung, die wir im März mit der Vereinsgründung nochmal auf eine professionellere und verbindlichere Ebene stellen.

Also bleibt uns vom Newsletter-Team und im Namen der BAG Frau im Wechsel an dieser Stelle noch zu sagen: Sei gut zu Dir! Lass über die Feiertage auch mal Fünfe grade sein!
Wir müssen auch die Wohnung nicht bis in den kleinsten Winkel blitzsauber putzen. In der Regel kommt Familie und Freunde zu Besuch und nicht das Gesundheitsamt.


In diesem Sinne:

Lasst es Euch bei Keksen, Glühwein, Tee und all den wundervollen Köstlichkeiten gut gehen. (Haferkekse mit Ingwer sind laut dem Beitrag in diesem Newsletter ja auch ein Superfood!)

Bleibt neugierig und kommt entspannt und vor allem gesund ins Neue Jahr.

Superfoods für Superfrauen

Andrea Panz hat in ihrem Buch „Vegan durch die Wechseljahre“ viele spannende Informationen und Rezepte zusammengetragen. Hier stellt sie ihre Lieblings-Superfoods vor:
Haferflocken

Haferflocken enthalten Magnesium, B-Vitamine und Zink. Die wirken sich, ebenso wie die enthaltenen Beta Glucane, positiv auf den Blutzucker aus. Auch Biotin findest du in den köstlichen und vielseitig einsetzbaren Flocken und kannst damit sogar noch etwas für Haut, Haare und Nägel tun.

Walnüsse

Walnüsse enthalten die Omega3-Fettsäure ALA (Alpha-Linolensäure), aus der das wichtige EPA und DHA gebildet wird. Sie wirken damit schützend auf unsere Blutgefäße und unser Gehirn und können helfen, Demenz und Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzubeugen.

Ingwer

An Ingwer finde ich alles toll, außer vielleicht das Schälen, und selbst das ist manchmal gar nicht nötig. Der Geschmack, der sowohl zu süßen als auch zu herzhaften Speisen passt, diese zitronige Schärfe, die keimtötende und die wärmende Wirkung. Ingwer kann dank seines Inhaltsstoffs Gingerol auch schmerzstillend und blutverdünnend wirken, deswegen trinke ich bei leichten Kopfschmerzen gern ein Glas Wasser mit einem Teelöffel gemahlenem Ingwer. Das hat mir schon so manche Schmerztablette erspart. Ansonsten kommt Ingwer gehackt oder gerieben in fast jedes Essen, egal ob herzhaft, Dressing oder zu Obst. Mein Tipp: Packe dir geschälte Ingwerstücke luftdicht ein und halte sie im Gefrierfach bereit. So gefroren lässt sich der Ingwer wunderbar reiben. Auch hier gilt, solltest du blutverdünnende Medikamente einnehmen und exzessiv Ingwer essen, bitte mit dem Arzt die Gerinnungswerte im Auge behalten.

Kurkuma

Was für ein Gewürz, allein die Farbe spendet schon Energie. Wegen des Geschmacks verwende ich Kurkuma eigentlich nicht. Aber wegen seiner stark entzündungshemmenden und krebsvorbeugenden Wirkung. Außerdem soll er die Leber bei ihren Entgiftungsfunktionen und die Gallenblase beim Entleeren unterstützen. Was helfen könnte, Gallensteinen vorzubeugen.

Knoblauch

Ja, er ist nicht geruchsneutral. Aber wenn ich an die entzündungshemmenden, keimtötenden, krebsvorbeugenden und blutverdünnenden Wirkungen denke, ist mir das wert. Solltest du Blutverdünner einnehmen, unterschätze bitte die Wirkung bei intensivem Knoblauchgenuss nicht und informiere deinen behandelnden Arzt darüber. So kann er, wenn nötig, die Dosierung anpassen. Knoblauch kommt bei mir in fast jedes Dressing und überall hinein. Außer in Süßspeisen.

Action for Happiness

Frau im Wechsel sprach mit Britta Scholten, Coach, Wechseljahresberaterin und ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Organisation Action for Happiness.


„Action for Happiness“ – das klingt interessant. Was genau ist das?

„Action for Happiness“ ist eine soziale Bewegung von Menschen, die sich für eine glücklichere Welt einsetzen. Sie ist in 190 Ländern vertreten und seit fünf Jahren auch im deutschsprachigen Raum tätig. Menschen, die für Action for Happiness tätig sind, geben ein einfaches Versprechen: Sie versuchen, mehr Glück in der Welt um sie herum zu erschaffen.

Und wie machen sie das?

Ein sehr beliebtes Angebot ist der Glückskalender. Jeder Monat steht unter einem glücksbringenden Motto, z.B. Freundlichkeit oder Aufmerksamkeit. Die jeweiligen Monatskalender enthalten Tipps für jeden Tag, um dieses Motto stärker in den Alltag einzubringen. In der online-Community gibt es viele Gruppen, z.B. die „Drei gute Dinge“-Gruppe, die dazu einlädt, jeden Tag drei gute Dinge zu notieren. Dazu gibt es die online-Kurse „Happiness Habits“ und „Erkunde, was zählt“, lokale Gruppen und Aktionen wie z.B. die regelmäßigen Happy Cafés oder Events zum Weltglückstag – der ist übrigens jedes Jahr am 20. März. Alles basiert übrigens auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Du bist neben Deiner Tätigkeit als Coach und Wechseljahresberaterin auch für Action for Happiness tätig. Was machst Du da?

Mein erster Kontakt mit Action for Happiness war der monatliche Newsletter. Dann habe ich in der Corona-Zeit an dem allerersten online-Kurs teilgenommen und war so begeistert, dass ich danach gleich selbst einen Kurs geleitet habe. Mit einem Co-Trainer aus München, den ich erst eineinhalb Jahre später endlich mal persönlich kennengelernt habe.

Mich hat die Offenheit und auch die Verletzlichkeit der Menschen in diesen Kursen sehr beeindruckt und mich auch selbst sehr zum Nachdenken gebracht. Gerne würde ich auch wieder regelmäßig aktiver sein, aber das lässt meine Zeit gerade nicht zu. Daher konzentriere ich mich auf Einzelaktionen – mit meiner online-Webinar-Reihe „In 12 Schritten durchs Jahr“ habe ich Spenden gesammelt und ich werde auch 2024 gerne wieder die Aktionen rund um den Weltglückstag unterstützen.

Glücklich möchten alle Menschen sein. Gibt es auch Erkenntnisse von „Action for Happiness“, die speziell Frauen in den Wechseljahren helfen können?

Frauen in den Wechseljahren haben zum Teil mit Gefühlsschwankungen zu tun, von depressiven Verstimmung, über Ängstlichkeit bis hin zu Tränen- oder Wutausbrüchen. Diese Gefühlsschwankungen sind bedingt durch die hormonellen Schwankungen. Dagegen kann auch die beste psychologische Methode nichts machen. Aber die Gefühlsschwankungen werden durch Stress oder allgemeine Unzufriedenheit noch verstärkt. Und da können die zehn Schlüssel zum glücklicheren Leben sehr wohl unterstützen.

Was sind diese zehn Schlüssel?

Die zehn Punkte stammen aus dem Buch „10 Keys to Happier Living“ von Vanessa King, die dem englischen Führungsteam von Action for Happiness angehört. Die Punkte sind: etwas für andere tun, sich mit anderen verbinden, für den eigenen Körper gut sorgen, bewusst leben, immer wieder etwas Neues lernen, sich Ziele setzen, auf die man sich freut, innere Stärke zu entwickeln, herauszufinden, was einem gut tut, sich wohl mit einem selbst zu fühlen und Teil von etwas Größerem zu sein. Im Englischen lassen sich die zehn Schlüssel gut abkürzen: GREAT DREAM.

Jeder dieser Schlüssel kann dabei helfen, den Fokus auf positive Aspekte des Lebens zu lenken und den Umgang mit Veränderungen zu erleichtern. Gerade Frauen, die mit den körperlichen Veränderungen in den Wechseljahren nicht gut zurechtkommen, können durch passende Methoden wieder – oder vielleicht sogar erstmals – lernen, sich mit sich selbst wohl zu fühlen. Auch gut für den eigenen Körper zu sorgen, ist natürlich immer eine gute Idee. Aber gerade Frauen in den Wechseljahren können durch bewusste Ernährung, gute Entspannung und regelmäßige Bewegung ihre Symptome positiv beeinflussen und so auch für ihr Glücksempfinden sorgen.

Kann ich diese zehn Schlüssel alleine erlernen oder brauche ich dazu eine Therapeutin oder einen Kurs?

Die zehn Schlüssel können jederzeit eigenständig umgesetzt werden. Ein paar Vorschläge, wie man das für sich selbst, in seiner Umgebung oder auf der Arbeit machen kann, kann man auf der Webseite von Action for Happiness finden. Aber natürlich ist der Austausch mit anderen wirksamer, um das eigene Verhalten nachhaltig zu verändern. Daher würde ich immer empfehlen, zumindest in die Community zu schauen oder Einzelveranstaltungen zu nutzen. Für Frauen, die sehr große Schwierigkeiten damit haben, ein neues Selbstkonzept für die Zeit nach der fruchtbaren Phase zu entwickeln, bietet sich eine Einzelberatung an. Hier kann man stärker auf die individuellen Schwerpunkte eingehen als im Kurs. So kann für die eine Frau im Fokus stehen, erst einmal herauszufinden, was ihr gut tut. Bei einer anderen geht es vielleicht eher darum, eine Resilienz gegenüber den Wirren der Wechseljahren zu entwickeln.

Es gibt ja auch den Begriff der toxischen Positivität. Ist der Fokus auf das Glücklichsein wirklich das Wichtigste im Leben? Gerade auch in der heutigen Zeit?

Das ist eine häufige Frage. Wir haben 2022 auch sehr intensiv diskutiert, ob wir unsere Aktionen zum Weltglückstag durchführen sollten, so kurz nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Und die Weltlage ist ja nicht besser geworden. Doch es gibt eine Leitlinie, die wir akle aus den Sicherheitshinweisen im Flugzeug kennen: Wir müssen erst die eigene Sauerstoffmaske aufsetzen, bevor wir anderen helfen. Genaus sieht das beim Glück aus. Wenn ich so tief in die Traurigkeit, das Entsetzen oder das Unglück eintauche, habe ich häufig keine Energie mehr, mich um andere oder anderes zu kümmern. Natürlich kann auch der Frust über schlechte Entwicklungen Energien freisetzen. Aber wenn ich selbst nicht mehr aus dem tiefen Loch komme, funktioniert das nicht mehr.

Zum Thema „toxische Positivität“: Die zehn Schlüssel für ein glücklicheres Leben bedeuten nicht, dass wir nur noch glücklich grinsend durch die Welt schweben. Es wird immer ein Auf und Ab geben. Nur können wir die Abschwünge abfedern und kürzer halten. So kann sich eine Frau, die auf einmal schwer unter Hitzewallungen leidet, zu Hause verstecken und auf dem Sofa liegend vor sich hin leiden. Das mag auch mal der richtige Weg sein. Aber wahrscheinlich fühlt sie sich besser, wenn sie an den Schlüsse „Verbinde dich mit anderen“ denkt und sich mit anderen Frauen spricht. Allein durch das „Ich bin nicht allein“ fühlen sich viele schon besser. Und vielleicht hat die eine Frau aus dem Netzwerk auch einen entscheidenden Tipp.

Was möchtest Du zusammenfassend noch sagen?

Ich zitiere den Dalai Lama, der als Schirmherr von Action for Happiness dient. In einem Video-Meeting anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Action for Happiness sagte er „You do good things!“. Ich habe durch die Beschäftigung mit den Thesen der positiven Psychologie viel gelernt, was zum eigenen Glücksempfinden beitragen kann. Aber die Kernbotschaft bleibt für mich: Wenn ich mich glücklich(er) fühlen möchte, kann ich das sehr schnell dadurch erreichen, dass ich andere Menschen glücklicher mache und etwas Gutes in die Welt schicke. Sei es ein Gedanke, ein Lächeln oder eine größere Aktivität. Und für Frauen in den Wechseljahren gilt das umso mehr. Lasst uns nicht still und einsam leiden, sondern eine Verbindung aufbauen. Und so uns alle glücklicher machen.

Kinder aus dem Haus – und jetzt?

Dorothea Heintze ist Journalistin und schreibt für das Monatsmagazin chrismon. Dort betreut sie auch die Life-Webinar-Reihe. Wir sprachen mit ihr über das Webinar „KINDER AUS DEM HAUS – UND JETZT?“, das im Oktober stattfand.

Dorothea, wie bist Du auf dieses Thema gekommen?

Ich habe bei befreundeten Familien gesehen, dass die sehr darunter litten, als ihre Kinder auszogen. Und ich hatte das Buch „Mutterblues“ von Silke Burmester gelesen. Silke ist Gründerin von PalaisFluxx, wir kennen uns schon viele Jahre. Auch Silke ging es richtig schlecht, als ihr Sohn auszog. Das hatte mich erstaunt und neugierig gemacht: mitten im Leben stehende und berufstätige Eltern, die sehr unter dem „empty nest“ leiden.

Du bist auch Mutter. Wie hast Du reagiert, als Deine Söhne auszogen?

Ich hatte einen festen Vorsatz: Ich mache das nicht so wie meine Mutter. Ich bin erst mit 24 Jahren ausgezogen. Ich hatte nichts davon erzählt, die Wohnung gemietet und alles vorbereitet. Dann habe ich beim Mittagessen erzählt: Ich ziehe in zwei Wochen aus. Meine Mutter stand auf, ging zur großen Blumenbank, zupfe an den Pflanzen herum und sagte: „Jetzt ist mein Leben zu Ende.“ Das war entsetzlich für mich und das wollte ich meinen Kindern und auch mir selbst nicht antun.

Und das hat dann auch geklappt? Hast Du einfach gewunken und Tschüss gesagt?

Nein, natürlich nicht. Ich war traurig und habe dann auch mal geheult. Aber: Was ist denn die Alternative? Wollen wir, dass unsere Kinder auf Dauer zu Hause bleiben? Mir war es immer wichtig, dass meine Kinder zu selbständigen Personen heranwachsen. Dann gehört auch das Ausziehen eines Tages dazu. Und ich war traurig, nicht verzweifelt, ich habe nicht gehadert damit.

In Eurem Webinar habt Ihr auch darüber gesprochen, was dabei hilft, sich an das „empty nest“ zu gewöhnen. Wie war das bei Dir?

Ich erwarte von mir, dass ich den Dingen, die da sind, erwachsen gegenüberstehe. Das klingt jetzt ziemlich arrogant, aber ich habe nun maldiesen Anspruch an mich. Ich kann ja auch nicht jeden Morgen aufstehen und verzweifelt sein, weil ich ein neues graues Haar entdeckt habe. Der Auszug der Kinder gehört zum Leben dazu.

Für mich und meinen Mann war es eine Zeit, in der wir uns noch intensiver miteinander beschäftigt haben. Wir hatten schon immer eine Beziehung, die viel Energie frisst. Auch mit vielen Auseinandersetzungen. Die Tatsache, dass wir zu Hause nur noch zu zweit waren, hat das noch auf eine andere Ebene gebracht. Und auch die Sexualität hat sich neu gefunden.

Was empfiehlst Du Frauen, die schwerer loslassen können?

Holt Euch Hilfe. Gönnt Euch drei, vier Coachingstunden, damit gewinnt Ihr Klarheit für Euch selbst und könnt schneller einen guten Weg finden. Übrigens ist es auch bei anderen Themen sinnvoll, sich Hilfe zu holen – z.B. beim Schwitzen in den Wechseljahren. Ich suche gerne nach möglichst pragmatisch Wegen und sehe mir gerne ältere Frauen an, wie die solche Situationen bewältigt haben.

Gibt es Tipps, wie man mit den Kindern umgeht? Auch für die ist das ja ein Einschnitt im Leben.

Es ist wichtig, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben. Nach dem Auszug, aber auch schon vorher. Wir haben unseren Jungs schon früh gesagt: „Wir wollen, dass Ihr auszieht. Ihr müsst auf eigenen Beinen stehen, wenn ihr länger hier bleibt, zahlt ihr Miete.“ Das klingt hart, aber war hilfreich. Unsere Kinder haben uns im Nachhinein gesagt, dass ihnen unsere Klarheit geholfen hat.

Bei Euch ist der Auszug der Kinder nun schon eine Weile her. Wie ist es jetzt?

Ich war wahnsinnig gerne Mutter. Bin es natürlich immer noch, aber anders. Die Zeit, in der ich aktive Mutter war, erscheint mir im Rückblick brutal kurz, so als wäre es nur eine Episode in meinem Leben – dabei schien es mir damals so, als wenn das für immer das wichtigste und einzige im Leben sei: Familie, Kinder, Elternschaft. Tatsächlich aber waren es „nur“ 23 Jahre, viel länger war ich Single, viel länger werde ich, wenn ich gesund bleibe, noch ohne Kinder alt werden. Und das macht mich, und das ist eben auch irrational, doch traurig. Mir ist es auch wichtig, dass ich das zulassen kann. Gefühle sind nun mal nicht logisch. Dann bin ich mal 5 Minuten traurig. Das kann ich auch den Kindern sagen. Aber ich darf ihnen damit keine Last auflegen.

Was meinst Du damit?

Es gibt Eltern, die ihre Kinder instrumentalisieren. Die die Kinder brauchen, um ihr Leben lebenswert zu finden. Das ist eine Last für Kinder und eine Umkehrung der Verantwortung. Noch schlimmer ist es, wenn die Kinder unterschwellig vermittelt bekommen, dass die Eltern nur wegen der Kinder zusammenbleiben. Einem Kind den Glaubenssatz „Wenn ich ausziehe, dann zerbricht die Ehe meiner Eltern“ zu vermitteln, ist unverantwortlich.

Ist der Mamablues eigentlich ein reines Frauenthema?

Ganz und gar nicht. Rein statistisch leiden Männer mehr darunter. Weil sie nicht damit umgehen können, dass sie auf einmal alleine sind. Es gibt dieses Bild der coolen Männer in diesem Alter, die machen einen Bootsführerschein, nehmen 10 Kilo ab, … Dahinter versteckt sich häufig ein Problem mit dem Rollenwechsel. Und Männern tun sich immer noch schwerer als Frauen damit, über ihre Gefühle zu sprechen. Dabei ist es völlig angemessen, traurig zu sein, wenn sich die Kinder auf den Weg in die Welt gemacht haben.

Wir danken für das Gespräch.

Mehr zu den Webinaren auf chrismon, die alle vier bis acht Wochen stattfinden findet Ihr hier. Gerade das November-Thema passt auch gut in die Welt der Frauen in den Wechseljahren – auch wenn der Altershorizont noch nicht ganz erreicht ist: Im November ging es um das Thema „Lust und Erotik im Alter“. Gäste waren Dr. Elke Franzki, Sexualtherapeutin und der TV-Moderator Yared Dibaba, der die Sendung „Ohjaa – Sex lieben“ moderiert. Die Webinare werden alle aufgezeichnet und sind unter dem obigen Link zu finden.

Wir sind 9 millionen

#wirsind9millionen – Dieser Hashtag fing klein an und hat sich zu einer großen Bewegung entwickelt. Die Vielfalt der Frauen, die sich hinter diesem Hashtag versammeln, ist erstaunlich: Frauenärztinnen, Ernährungsberaterinnen, Wechseljahresberaterinnen, Aktivistinnen, Journalistinnen, Fitnesscoaches, … – alle eint ein Anliegen: Wir wollen die Wechseljahre aus der Tabuzone bringen und dafür sorgen, dass jede Frau Zugang zu guter Beratung und guter Behandlung bekommt.

Der parlamentarische Abende am 18.10.2023

Dazu gab es bereits im März eine Veranstaltung auf Einladung der Abgeordneten Dorothee Bär und Julia Klöckner. Diesmal lud Diana Stöcker zu einem parlamentarischen Abend ein. Auf dem Podium saßen Gynäkologin und Autorin Dr. Sheila de Liz , Schriftstellerin Ildikó von Kürthy, Gynäkologin Dr. Katrin Schaudig (Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft) und MdB Georg Kippels (Obmann im Gesundheitsausschuss, CDU). Dorothee Bär sprach ein Grußwort, Miram Stein, Autorin von “Die gereizte Frau” moderierte.

Mehr über die Aktion, alle Unterstützerinnen und unsere Forderungen findet Ihr auf der Webseite https://wirsindneunmillionen.de/.

Friedrich Merz als Wechseljahrsexperte

Das Fazit des Abends: Es ist viel zu tun. Die Politik bewegt sich nur langsam, auch wenn Friedrich Merz und Alexander Dobrindt sicher gerade mit 13 Fragen zu den Wechseljahren an die Bundesregierung wandten.

Moment, Friedrich Merz und Alexander Dobrindt sind Teil der Bewegung #wirsind9millionen? Warum nicht, schließlich wurde auch am parlamentarischen Abend mehrfach gesagt: ohne die Männer werden wir nichts bewegen können (deshalb feierte man MdB Georg Kippels als Mann auf dem Podium sehr). Tja, aber die Erklärung ist einfacher: Es handelte sich um eine kleine Anfrage. Und die wird nun mal von den Parteivorsitzenden unterschrieben.

Vielleicht hat die Regierung die Anfrage daher doch nicht ernst genommen. Denn die Antworten sind banal, ernüchternd und teilweise sogar falsch (z.B. Die Betroffenen haben aber im Gesundheitssystem umfangreiche Ansprüche auf Leistungen, die auch geeignet sein können, Symptome der Menopause zu bewältigen). Anfrage und Antworten können hier heruntergeladen werden.

Einige Stimmen vom Abend

Dorothee Bär: „Ein Journalist fragte mich, warum ich mich mit dem Thema beschäftigte, es sei doch nicht relevant für meinen Wahlkreis. Meine Antwort: Auch in meinem Wahlkreis leben Frauen. Und auch in meinem Wahlkreis stellen sie 50% der Bevölkerung. Damit sind die Wechseljahre für mich relevant.“

Miriam Stein: „Prävention kommt in der Gesundheitsstrategie der Bundesregierung nur im Kontext mit Männern vor. Frauengesundheit ist kein Thema.“

Ildikó von Kürthy: „Es ist schrecklich. Ich hatte das Glück, dass ich mich gleich in kompetente Hände begeben habe. Andere Frauen können sich das nicht leisten.“

Dr. Katrin Schaudig: „Das Leben der Frauen hat drei Räume. Bis zur Pubertät ist es ein relativ kleiner, dann kommt ein großer und dann das, was momentan häufig eher die versteckte Rumpelkammer ist. Wir müssen lernen, diesen dritten Raum zu gestalten.“

Britta Scholen, Frau im Wechsel, hat ihre Eindrücke in einem Text zusammengefasst, der auf Palais Fluxx erschienen ist.

Und wie war, zeigt ein kurzes Video.